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Monatsarchive: Dezember 2010

Mittelalter Online Versand – oder woher bekomme ich meine Gewandung?

Als ich vor einigen Jahren beschloss, das Mittelalterlich Phantasie Spectaculum und andere mittelalterlichen Veranstaltungen gewandet zu besuchen, hatte ich die – für mich naive – Vorstellung, soviel wie möglich selbst zu machen. Ich kaufte mir sogar eine Nähmaschine. Nun ja, was einfache Lederarbeiten wie Armschienen und einfache Taschen betraf funktionierte dieses ganz gut – beim Nähen war ich ein totaler Versager. Die – zugegeben – einfachen Schnitte für eine Bundhaube, einer Tunika oder sogar einem Mantel  kriegte ich nicht hin. Also war guter Rat teuer – denn die Händler nehmen auf Mittelaltermärkten nach meiner Beobachtung auch oft spezielle Preise.

Ich versuchte mich im Internet und war zunächst skeptisch und dann recht begeistert von der zumeist zügigen Bearbeitung und der unkomplizierten Bestellung. Ich werde also diesen Artikel immer wieder erneuern mit meinen Erfahrungen von Anbietern.

Zunächst was nettes für Bastler: Lederkram bietet einiges an fertigen Sachen aber auch vieles zum Selbermachen, preisgünstige Lederreste oder natürlich auch neuwertiges Leder. Lederriemen, Nieten, Fibeln, Gürtel und Zubehör, Gewandung, Taschen und vieles mehr. Ich bin immer zu anständigen Preisen schnell beliefert worden, es lag immer ein nettes Schreiben dabei und mein Paar Armschienen, die ich mir aus Spaltleder gemacht habe,  hat weniger als die Hälfte von dem gekostet, was ich vergleichbar auf einem beliebigen Markt hätte hinblättern müssen.

Wer Gewandung braucht, sollte unbedingt bei Lost Legends vorbeischauen. Hier gibt es alle möglichen Stilrichtungen und Epochen zu günstigen Preisen. Außerdem kann man hier Rüstungen, Waffen, Fantasyzubehör und was weiß ich nicht bestellen. Sehr zu empfehlen!

Thors Schmiede hat verschiedene Epochen im Angebot, wer auf Antike steht wird ebenso fündig wie der Mittelalter Fan. Ausrüstung rund ums Lagerleben runden das Angebot ab.

Ganz neue Erfahrungen habe ich mit Melbars Tröpfelhandel gemacht, ich habe hier meinen neuen Katzbalger (ein Kurzschwert) gekauft. Das Angebot ist riesig, ich werde mir dort noch eine Hellebarde zulegen – so langsam macht sich meine Landsknechtfigur.

 

Brandneu sind meine Erfahrungen mit Kostümtruhe. Dieser Onlineshop besitzt auch ein Ladenlokal in der Mathiasstr. 17 in Köln. Wenn sich einer mit Kostümen auskennt, dann sicher jemand aus der Hauptstadt des Karnevals ( ich hoffe ich trete jetzt den Mainzern und Düsseldorfern unter meinen Lesern nicht allzu sehr auf die Füße, aber Bremen hat`s nicht so mit Karneval …). Ich habe mir prächtige Overkneestiefel als Stulpenstiefel für meine Landsknechttracht bestellt und war begeistert über die Qualität: Echtes feines Leder, solide Sohle, alles gut verarbeitet zu einem sagenhaft günstigen Preis. Leider nur eine Nummer zu groß. Die AGBs sagen in diesem Fall, dass ich das Rückporto zu tragen habe, heute kriegte ich die Zusage von Frau Blasberg, dass die Stiefel für mich portofrei umgetauscht werden. Klasse! Wenn ich das nächste Mal in Köln bin, schau ich mich gerne im Laden um.

 

Neue Erfahrungen:

 

Tja, was soll ich sagen, am 19.01.11 habe ich meine Hellebarde bei Melbar bestellt und prompt die Bestätigung erhalten, dass ich bestellt habe – und das der Artikel leider vergriffen ist. Eine Lieferung stünde voraussichtlich in 2 – 3 Wochen an. Das war im Prinzip genauso bei der Bestellung meine s Katzbalgers, nur das die Lieferung dann locker mal eben mehr als 2 Monate dauerte. Ich hatte damals noch telefonisch nachgefragt, um überhaupt mal eine Info zu bekommen, dies werde ich diesmal vorerst noch nicht tun. Von sich aus scheint der Händler hier leider keine Veranlassung zu sehen, seine Kunden irgendwie auf dem Laufenden zu halten. Schade, das Angebot ist vielversprechend, die Preise sind in Ordnung – aber wenn ich wochen- oder gar monatelang auf meine Ware warten muss, lege ich gerne 2 Euro drauf und bekomme sie beim anderen Händler schnell geliefert. Und das Informationen vom Händler schnell und ohne Nachfragen kommen können habe ich bspw. bei Lederkram, Lost Legends und Kostümtruhe auch erlebt. Schade eigentlich … Die Geschichte geht übrigens weiter: Eine erneute Anfrage brachte die lapidare Antwort, dass man auf eine Warensendung warten würde, ich würde informiert werden wenn es soweit wäre. Mittlerweile warne ich vor Melbar, der Onlinehandel scheint vollständig automatisiert ohne Lager abzulaufen, die Kundenbetreuung ist grottenschlecht.

 

Zu Kostümtruhe gibts auch wieder Neuse, und zwar überaus positives:

Ich hatte für kältere Abende ein Landsknechtgewand bestellt und war dann für drei Tage nicht erreichbar, weil ich auf Dienstreise war. Als ich zurückkam, fand ich eine email, dass ich möglichst schnell überweisen solle, da zur Karnevalszeit alles schnell vergriffen ist. Ich habe sofort per Online  – Banking überwiesen und an Kostümtruhe eine entsprechende email geschickt. 2 Tage später war das Paket da, 3 Tage späte kriegte ich eine Mail das alles unteregs sei – zwar überflüssig, weil ich die ware schon hatte – aber das nenn ich fix und tolle Bedienung am Kunden. Vielen Dank Frau Blasberg, toll gemacht! So eine Versandhandel wünscht man sich als Kunde!

Der Ursprung der Landsknechte

Das Mittelalter war geprägt durch Herrscher, die ihren Besitz durch familiäre Bindungen wie Heirat, politische Bündnisse mit anderen Herrschern und notfalls mit Gewalt zu erhalten oder zu erweitern wussten.

Das gewaltsame Vorgehen durch Kriege war dabei sicherlich die kostspieligste Variante und wurde jahrhundertelang durch Schlachten geprägt, die vor allem durch gepanzerte Reiter gewonnen oder verloren wurden – die Ritter.

Maximilian I

Maximilian I

Spätestens in den Burgunderkriegen, in denen es um Machtansprüche des deutsch römischen sowie um Sicherheitsbestrebungen des französischen Königs ging (Burgund hatte sich im 100 jährigen Krieg mehrfach mit den verfeindeten Engländern verbündet) wurden Ritter als entscheidende Komponente durch neue Taktiken wesentlich geschwächt und schließlich abgelöst. Die Schweizer Eidgenossen stellten “Reisläufer” auf, also Fußsoldaten, die durch eine geschlossene Form und durch kluges taktisches und disziplinierten Vorgehen mit Hilfe langer Spieße in der Lage waren, die gepanzerten Ritter in der Schlacht von den Pferden zu holen und dann in aller Ruhe abzuschlachten.

Schweizer Reisläufer

Schweizer Reisläufer

Maxililian I probierte diese Taktik mit Hilfe flämischer Söldner aus und gewann 1479 bei Guinegate eine Schlacht gegen ein konventionelles französisches Heer. Der Hintergrund dieses Schlacht waren die Besitzansprüche von Maximilian und dem französischen König – beide sahen das Herzogtum Burgund als ihr Eigentum an.

Die Söldner Armee Maximilians löste sich natürlich nach der Schlacht auf, aber der junge Erzherzog erkannte offenbar die Chance, durch ein ähnlich strukturiertes Heer, das permanent unter Waffen stand, die neuen Besitztümer zu verteidigen. Im Westen musste Maximilian immer mit den Franzosen rechnen und im Osten entwickelte das Osmanische Reich deutliche Expansionsbestrebungen. 1453 war die Perle der Christenheit, Konstantinopel, gefallen und die Türken versuchten ihren Machteinfluss , wenn auch zunächst mit wenig Erfolg, in Europa auszudehnen.

Wenn man sich dann noch vorstellt, dass ein mittelalterlicher Fürst nahezu ständig mit Rebellionen und Besitzansprüchen anderer Fürsten zu tun hatte, kann man leicht nachvollziehen, dass das Bedürfnis nach einer ständig vorhandenen, erfolgversprechenden Truppe recht groß war. Bedauerlicherweise sind Ritter ziemlich teuer, aber die Erfahrung aus den Auseinandersetzungen um Burgund ließ wohl in Maximilian den Entschluss reifen, gut trainierte Fußsoldaten einzusetzen. Als er 1486 zum deutschen König gekrönt wurde, hatte er zwei Armeen mit jeweils drei- bis viertausend Mann in seinen Diensten. Diese ließ er durch Schweizer Ausbilder zu Lanzenträgern ausbilden. Auch wenn unter Maximilian systematisch Söldnertruppen ausgebildet wurden , deren Hauptwaffe Spieße und Hellebarden waren und die eben nicht durch gepanzerte Reiter als wichtigstes taktische Element geprägt waren, ist die Erhebung zum “Schöpfer” des deutschen Landsknechtwesen zumindest problematisch. Die deutschen Landsknechte entstanden schlicht aus der Übernahme und Verfeinerung des taktischen und disziplinierten Vorgehens nach dem Vorbild der eidgenössischen Reisläufer – und weil diese Truppe so erfolgreich war, wurde sie auch  bedenkenlos für politische  Zwecke angeworben und eingesetzt. Aber dazu mehr in späteren Artikeln …