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Faun beim Mittelalter Spectaculum im Zoo Osnabrück

Fiona Rueggeberg beim Spectaculum im Zoo Osnabrück

Um es vorweg zu sagen: Das Mittelalter Spectaculum im Zoo Osnabrück hatte nichts, aber auch gar nichts mit dem

Mittelalterlich Phantasie Spectaculum® des Gisbert Hiller zu tun. Und um es ebenso deutlich zu sagen: Ein Mittelalter Spectaculum war es mit Sicherheit nicht. Aber Spaß hat es gemacht – weil drei Bands und ein Gauklerduo für Spaß und Unterhaltung sorgten.

Nahe des Affenfelsens hatte der Zoo einige Verkaufsstände mit mehr oder weniger mittelalterlicher Ware hingestellt – fertig war das Spectaculum. Wäre nicht die Musik gewesen, wäre das eine Riesenenttäuschung geworden. Aber ich hatte mich bei meinen Freunden aus dem MPS Fan Forum informiert, einige kannten den Markt und so war ich gewarnt.

Immerhin habe ich das ein oder andere bekannte Gesicht gesehen und zwei gute alte Bekannte getroffen: Toby und Lars, denen ich immer wieder auf den MPS Märkten begegne, es war schön euch so unverhofft wieder zu sehen!

Zwei der Bands kannte ich noch nicht Sonor Teutonicus aus Georgsmarienhütte und Reliquiae aus Osnabrück, also beides lokale Bands. Ursus Major von Sonor Teutonicus im Zoo Osnabrück

Reliquiae waren mir eine Spur zu heftig und brachten eher harte Klänge auf die Bühne.

Sie hatten einen ganz ansehnlichen Fanclub dabei, der frenetisch ihre Sets begleitete – ich habe jeweils die letzten 15 – 20 Minuten ihrer Sets verfolgt, weil danach gleich Faun auftrat.

Der Drummer von Reliquiae muss trotz der kühlen Temperaturen am Abend ganz schön ins Schwitzen gekommen sein, er haute auf sein Schlagzeug ein, als wollte er es erschlagen. Ich habe mich unwillkürlich gefragt, welche Gedanken Rüdiger Maul von Faun bei solchen Geräuschen durch den Kopf gehen …

Sonor Teutonicus fand ich recht witzig, ich habe eine Zeitlang in 1 – 2 Sets reingehört, gefallen hat mir die Instrumentenvielfalt und die Folk Ausrichtung der Band.

Nun aber zu meinem Hauptanliegen, den Zoo zu besuchen: FAUN!

Es gab drei  Sets wovon zwei jeweils 30 Minuten und das letze Set eine Stunde dauerte. Es waren kaum Wiederholungen in den Sets dabei, Tinta, Hymn to Pan  und Rosmarin wurde zweimal gespielt, der Rest war ein Streifzug durch die Bandgeschichte.

Jedes Set war gewohnte Perfektion aus musikalischer, technischer und künstlerischer Sicht.

Faun hat ja immer schon diese Botschaft der Verbundenheit mit der Natur und den Gedanken, wir alle sind Teil der Natur sowohl in der musikalischen Darbietung als auch in den Erläuterungen der einzelnen Lieder beim Set zum Ausdruck ausgebracht.  Ich habe in den vergangenen Konzerten schon gemerkt, dass die Botschaft eindringlicher wird, Hymn to Pan wurde von Oliver S. Tyr als das wichtigste Lied von Faun bezeichnet.

Für alle die es nicht wissen: Pan ist ein Halbgott der griechischen Mythologie, seine Eltern sind Hermes und die Nymphe Dryops. Pan ist der Beschützer der Wälder  und der Gott der Hirten. Seine römische Entsprechung ist – Faunus. Jedenfalls kümmert sich Pan um die Natur und Olver S. Tyr bringt bei der musikalischen Darbietung der “Hymn to Pan” einen eindringlichen Apell zur Umkehr und zur Niel Mitra von Faun im Zoo Osnabrück 2011Besinnung – sich selbst als Teil der Natur zu begreifen. Hoffen wir, das möglichst viele Menschen ihn hören, verstehen und danach handeln …

Die ersten beiden Sets lagen in den Nachmittagsstunden Rairda und dementsprechend waren viele Kinder vor der Bühne. Was mich sehr erstaunt hat war das Durchhaltevermögen der Kinder und Eltern.
Ich hätte eher ein ständiges Kommen – und Gehen  der Kinder erwartet, denn 30 Minuten sind eine lange Zeit für einen so kleinen Menschen, vor allem wenn nebenan Affen und Nashörner warten. Aber die Kleinen und mit ihnen die Eltern hielten tapfer durch und hatten ganz offensichtlich mächtig Spaß bei allen Bands.
Bei Faun gabs ja auch jede Menge zu sehen – tolle Lichteffekte, jede Menge Nebel, der zuweilen die gesamte Bühne in eine undurchdringliche Masse verwandelte aus der ganz allmählich die einzelnen Künstler wieder auftauchten, wobei die bunten Lichter sie mal ganz in blau, grün oder rot erscheinen ließen. Dazu kommt die unglaubliche Vielfalt an Instrumenten, die in den einzelnen Stücken auftauchen und für den  Betrachter zum Teil ganz seltsames Aussehen haben, Nyckelharpa, Drehleiter, jede Menge Flöten und Rüdiger Maul macht mit Geräten Geräusche, die kein normaler Mensch als Musikinstrument interpretieren würde: Ein so´n Ding sieht aus wie eine Ansammlung vergammelter Dosen – und es hört sich an wie Rascheln von Blättern oder Wind der in Zweigen spielt. Unglaublich!

Eine ganz mystische Figur und selten sichtbar stellt Niel Mietra dar, der sich artig zu Beginn und zum Ende eines Sets verbeugt, dabei immer ein Lächeln im Gesicht hat und die Hände nach thailändischer Art vor der Brust bei der Verbeugung faltet. Danach verschwindet er in das Halbdunkel der hinteren Bühnenbereiche, verschanzt sich hinter drei Notebooks und ist nur noch schemenhaft im Gegenlicht und im Nebel erkennbar.

Das große Finale war aber natürlich das Abendkonzert  – aber vorher war Leiden angesagt. Reliquiae überzog ein bisschen und machte ordentlich Radau – sehr zum Vergnügen der Zuhörer. Und dann brachten sie doch tatsächlich Tri Martolod – ein traditionelles Lied aus der Bretagne, zum Beispiel ganz hervorragend von Alan Stivell interpretiert, wie man dem nachstehenden Video entnehmen kann. Ich habe schon oft geschaudert wenn Metal oder Punk Bands traditionelles Liedgut interpretiert haben – aber was Reliquiae aus

“Tri Martolod” gemacht haben ging irgendwie gar nicht. Der Rhythmus stimmte nicht – man sollte sich überlegen, ob bei Stücken, wo sonst Harfen zum Einsatz kommen, der Drummer auf die Drums einhauen muss, als ober er sie umbringen will. Das war mir persönlich denn doch zuviel der Interpretation! Danach folgten dann ein paar warme Abschieds- und Dankesworte an die Zoodirektorin und die Leute, die die Band während zwei Tage mit “Alkohol und Drogen” versorgt haben. Eine saloppe Rede, an der  auf einem Mittelalter Festival abends um 22:00 sicherlich keiner was auszusetzen hätte, aber angesichts dutzender von Kindern vor der Bühne ein wenig deplatziert war. Warum können sich einige Bands hier nicht einfach mal ein wenig zurücknehmen?

Nach den letzten Tönen von Reliqiae räumten diese dann die Bühne – im wahrsten Sinne des Wortes. das war schon gut anzusehen wie Ratz – Fatz alles abgebaut und zeitgleich für Faun wieder aufgebaut wurde. Hierfür waren nur maximal 10 Minuten notwendig und dann ging der Abend in den Endspurt.

In den dunklen Abendstunden war das Faun Set noch fantastischer – ein Meer aus Nebel, blauen, grünen, gelben und roten Lichtern, Stroboskop Effekten (das sind diese blitzenden aufeinanderfolgenden Lichteffekte, die uns die Künstler in “Zeitlupe” erscheinen lassen). Dazu tolle Körperbeherrschung und Tanzschritte von Fiona und Rairda (ja, Oli und Rüdiger können sich auch gut bewegen – bei Niel weiß ich es nicht). Ich muss ja gestehen und tue dies gerne öffentlich, dass ich ein Fan von Rairda bin. Rairdas bürgerlicher Name ist Margareta Eibl. Sie ist relativ neu bei den Faunen  – seit Juni 2010 ist sie dabei.

Rairda hat zwei eigene CD´s – die ich nur empfehlen kann – herausgebracht und bringt eine unglaubliche Präsenz auf die Bühne. Wie eine Löwin ergreift sie die Initiative, bringt sich bei Bedarf in den Vordergrund und setzt dabei eine Stimme ein, die schier unglaublich ist. Dabei ist ihr Können auf den Instrumenten genau wie die aller Faune einfach außergewöhnlich.

Jedenfalls ging die letzte Stunde für meinen Geschmack einfach viel zu schnell herum und ich habe im Gegensatz zu meiner Frau und meiner Tochter die Nachtkälte überhaupt nicht gespürt. Die beiden hatten nämlich die letzten 20 Minuten des Sets etwas abseits auf mich gewartet und dabei mächtig gefroren. Als Faun Fan wäre Ihnen das nicht passiert 🙂

Das Spectaculum im Zoo Osnabrück war übrigens das letzte Open Air Konzert der Faune, ab dem 4.11. beginnt die Faun Eden Tour 2011 in München. Die Termine findet ihr hier. Ich selbst werde entweder in Hamburg oder Celle das nächste Konzert besuchen und freu mich jetzt schon tierisch darauf.

Das Fotoalbum findet ihr hier.

 

3 Antworten auf Faun beim Mittelalter Spectaculum im Zoo Osnabrück

  • Frank sagt:

    Hallo, ich war auch da und kann Dir da zum nur zum Teil. Faun war Super wie immer… Hat sich auf jeden Fall alleine dafür geloht!
    Was du z.B. bei Sonor Teutonikus (oder so) gehört hast, weiss ich nicht… In meinen Ohren klang da fast alle krumm und schief. Und der Typ der bei denen sie Ansagen gemacht hat gelabert und genuschelt als ob der besoffen wär… Die Stände waren wirkliche etwas wenig, aber der Schwinebräter sah dafür aus wie der Metallica-Sänger :-))))
    Ich stimme Dir zu.. Reliquiae war schon ordentlich „geballer“! Aber mal eine Mittelalterband mit eigenen Style und vor allem mit gestimmt Instrumenten… Und schön rockig sind die auch! Wenn auch sehr laut ;-). Aber die Stimmung vor und auf der Bühne war super!!!!

    Niemand kann heute sagen wie „Tri martolod“ mal geklungen hat… und nur weil Stivell Anfang der 70er ne Harfe in dieses Trinklied eingebaut hat, müssen das andere Bands ja nicht auch so machen oder? Siehe z.B. Eluveitie mit „inis mona“ (oder so). Ist die gleiche Melodie! Und nen krummen Rythmus hab ich da auch nicht ausmachen können.,… Live wars wie auf der Relqiuiae-CD Kannste bei Youtube anhören…

    Gruß,
    Frank

  • Frank sagt:

    Huch…. der erste satz sollte lauten :“I ch war auch da und kann Dir da nur zum Teil zustimmen.“ Sorry 😀

  • Thomas sagt:

    Hallo Frank, klar ist das alles Geschmacksache, und meine Beiträge geben ja auch nur meine ganz individuelle Sicht der Dinge wieder. Ich möchte Reliquiae ja auch nicht zu nahe treten, aber für mich war das einfach nur laut. Aber ich bin ja auch sonst kein Freund der metallenen Klänge. Ich find´s jedenfalls Klasse, wenn jemand mal seine Sichtweise darlegt, Danke dafür!

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