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MPS 2013–Gisbert Hiller kündigt gravierende Änderungen an

Ars_equitandi

Das hatten wir doch schon mal! Die Saison 2010 war wettertechnisch genauso katastrophal wie 2012 und die Reaktion vom Veranstalter war – Reduktion des Angebots an Kleinkünstlergruppen zugunsten eines Konzeptes das kleiner Kleinkünstler in Publikum integriert. Das Ergebnis sind die umherziehenden Gruppen, die beispielsweise irgendwelche gefangene Frauen mit sich  schleppen und die Zuschauer ansprechen. Nachzulesen in meinem Januarartikel zur Jahresbilanz vom Veranstalter für das Jahr 2010. Leider funktioniert der Link auf Gisis Originalartikel nicht mehr – aber die Quintessenz aus dem wirtschaftlichen Fiasko, wie Gisi es in seiner Bilanz 2010 nennt, war ein neues Konzept das die damals zahlreichen Kleinkunstgruppen zugunsten einer publikumsnahen Darbietung inmitten der Zuschauermenge reduzierte. In der neuen Zwischenbilanz des Jahres 2012 wird für 2013 noch weiter zurückgerudert. Wieder mehr Kleinkunst und dafür weniger Bands.  So steht das natürlich nicht in den Ankündigungen, es wird vielmehr die Anzahl der Bühnen an vielen Veranstaltungsorten reduziert.

Ich bin gespannt wie sich das auswirken wird, das MPS wird nach meiner Einschätzung von einem großen Anteil der Besucher aus ganz Deutschland angefahren. Und ich glaube kaum, dass die wegen Jongleuren kommen, sondern eher wegen der Bands. Dies kann man beispielsweise sehen, wenn SaMo am Sonntag spielt: Dann reist ein Großteil der SaMo Fangemeinde eben auch erst am Sonntagmorgen an.  Verlagert man das Angebot jetzt mehr auf mittelalterliches Handwerk, Gauklern und andere Kleinkünstlern (das ist wirklich nicht abwertend gemeint!) dann wird sich der Charakter des MPS verändern. Familien mit Kindern sind vielleicht davon angetan. Aber um 21:00 Uhr sind die Kleinen im Bett und damit nicht mehr zahlende Gäste auf dem MPS, den Getränkeständen, bei den Händlern. Und darüber nachzudenken, teurere Bands durch kostengünstigeren Nachwuchs zu ersetzen – das Konzept hat schon einmal nicht geklappt. Ich erinnere mich an (tolle!) Bands wie Luxuria Auris oder Ars Floreo, die ihre Auftritte in 2010  hatten. Ich hab mal rasch bei denen auf die Homepage geschaut, leider tut sich da recht wenig, zumindest bei Ars Floreo scheint es noch ein wenig Bewegung zu geben. Aber ziehen solche Bands Zuschauermassen und machen sie dadurch das MPS attraktiv für Menschen, die nicht aus dem direkten Einzugsbereich kommen? Ich denke nicht. mit dem “neuen” Konzept wird das MPS eher Besucher aus der Region anziehen, vor allem wenn auf vermeintlich teure Bands wie Rapalje, Saor Patrol, Metusa, Omnia, Faun, Fiddlers Green oder SaMo verzichtet werden soll, die lange lange Zeit das Gesicht des Marktes prägten und die Besucher mehrere Hundert Kilometer fahren ließen.  Interessant finde ich auch den Ansatz zur Preissenkung und die Betonung darauf, dass der Sonntag ja nun ein Familiensonntag ist und Kinder bis 16 Jahren

und ältere Semester ab 55 Jahren  am Sonntag freien Eintritt haben.  Dies war in dieser Saison nicht immer so und ist zwischendurch mal stillschweigend abgeschafft worden (beispielsweise mussten die Kinder, die uns in Hohenlockstedt begleiteten am Sonntag Eintritt zahlen). Das hat nicht gegriffen und wahrscheinlich zu einem Rückgang zahlungskräftiger Familien geführt und somit wurde es offensichtlich wieder rückgängig gemacht.  Überlegt wird anscheinend auch, bewährte Darsteller wie Ars Equitandi oder Fictum gegen andere, vielleicht kostengünstigere, auszutauschen. Ein für mich gefährlicher Weg, das sind Profis und das zeigen sie auch. Früher hat das Ritterturnier extra Geld gekostet – und es kamen trotzdem Leute. Das zeigt wie attraktiv die sind. Solche Profigruppen locken den regionalen Besucher  an, denen macht es nichts aus, dass sie jedes Jahr dieselbe Truppe sehen.  Ich muss zugeben, dass ich weder bei Fictum noch bei Ars Equitandi regelmäßig vorbeischaue, weil ich sie so oft gesehen habe. Aber wann immer ich Freunde treffe, die sonst noch nie auf dem MPS gewesen sind, setz ich mich mit denen in eine Show und erkläre, was außergewöhnliches sie da zu sehen bekommen.  Summa Summarum erwartet uns nach meiner Einschätzung ein Qualitätsverlust des MPS in 2013 – weniger Bühnen bedeutet weniger Musik und das bedeutet weniger Besucher die abends bis in die Nacht Party feiern. Diejenigen, die schon um 22:00 in den Schlafsack  krabbeln wird`s freuen. Mich nicht, denn dafür fahr ich nicht mal locker 450 km nach Dresden oder sonstwo hin.

ich würde Gisbert Hiller empfehlen:

  • entwerfe ein Marketingkonzept mit gezielt platzierten Werbeanzeigen in den regionalen Medien, spätestens 4 Wochen vor Veranstaltungsbeginn.  Eine Anzeige kann dann gut und gerne 1/2 Zeitungsseite einnehmen, mit Bildern, Informationen etc, die wird 1 Woche vor MPS Beginn geschaltet. In der 2., 3. und 4. Woche eine kleinere Anzeige in den regionalen Medien.
  • entwerfe Angebote für Familien nur am Sonntag, Mitmachangebote, Kostümverleih oder was weiß ich.
  • lade an bisher nicht so gut besuchten Orten eine Top Band ein. Das kostet ein bisschen aber holt die Leute auch nach Dresden.
  • Verzichte nicht auf die Publikumsmagneten Omnia, SaMo, Metusa, Rapalje, Das Niveau, Saor Patrol,The Dolmen.
  • Kalkuliere die Kosten für Campsite und Campsite Security und hole sie von den Nutzern zurück – aber biete gleichbleibende Qualität , z.B. Gartenduschen,Strom,  saubere Klos. Wo dies nicht möglich ist, reduziere den damit verbundenen Preis.
  • Überleg Dir für jeden MPS Spielort EIN Highlight, das auch nur an diesem Spielort geboten wird. Muss es überall ein grandioses Feuerspektakel geben? Kann man das an bestimmten Orten nicht auch durch ein Feuerwerk ersetzen? Kann man nicht eine kleine grandiose Feuershow oder ähnliches organisieren?  Dieses Highlight kann im jährlichen Wechsel jeweils von einem Ort an den nächsten wandern.

 

Naja, ich hätt noch jede Menge anderer Ideen, aber diese sind die ersten die mir einfallen, wenn ICH das MPS attraktiv halten und auch noch Kosten senken wollte.

Hoffen wir, das das MPS weiterhin wirtschaftlich veranstaltet werden kann und dieses geniale Event auch in den nächsten Jahren erhalten bleibt!

Für alle, die die Ankündigungen von Gisi auf Facebook verpasst haben, hier der Originaltext aus Facebook bezüglich der Bühnenreduktion vom 21.08.2012.

 

Originalzitat Gisbert Hiller auf Facebook:

Etliche Bühnen für 2013 sind nun gestrichen
Bad Säckingen , 2 Bühnen wie 2012
Weeze , 3 Bühnen statt 4
Ballenstedt , 2 Bühnen statt 3
Rastede , 3 Bühnen statt 4
Hohenwestedt , 3 Bühnen wie bisher
Wassenberg , 2 Bühnen statt 3
Weil , 3 Bühnen wie bisher
Dresden , 2 Bühnen statt 3

Dortmund , 2 Bühnen statt 3
Mosbach , 2 Bühnen wie bisher
Sierhagen , 2 Bühnen wie bisher
Bückeburg 1 und Zwei , 3 Bühnen statt 4
Karlsruhe , 3 Bühnen wie bisher
Köln 3 Bühnen wie bisher
Hohenlockstedt , 3 Bühnen statt 4
Telgte 3 Bühnen statt 4
Speyer , 3 Bühnen wie bisher
Öjendorf , 4 Bühnen wie bisher
Remeringhausen , 2 Bühnen statt 3
Borken , 2 Bühnen statt 3
Maxlrain , 3 Bühnen wie bisher
Singen 2 Bühnen wie bisher
Fiddlers haben wir nun 2 oder 3 mal gebucht , Mr. Hurley und die Pulveraffen sicherlich an 10 und mehr Tagen , Vroudenspiel an ca. 20 Tagen und die bekannten und beliebten MPS Bands aus 2012 natürlich sehr häufig
Wir schauen uns gerade nach weiteren neuen Bands um , nach neuen guten Bands
Gisi

4 Antworten auf MPS 2013–Gisbert Hiller kündigt gravierende Änderungen an

  • Horatio Stupidum sagt:

    Ahoi Thomas,

    das ist ein sehr interessanter bericht von dir. ich hab die ganze Aufregung auf Facebook in den letzten tagen natürlich auch verfolgt und mir meine Gedanken gemacht.
    Ich muss sagen, sooo schlimm finde ich die Reduzierung der Bands gar nicht, meines Erachtens wird trotzdem noch mehr als genug abwechslungsreiche Musik auf jedem MPS geboten. Brauchen wir denn wirklich 10, 12 oder 14 Bands? ich persönlich habs noch nicht geschafft, wirklich ALLE Bands an einem Wochenende anzusehen und gleichzeitig auch die anderen Programmpunkte wie Gaukler, Bettler, Narren, Ritter etc auszukosten.

    Ausserdem… jeder weiss, daß Gisi und SaMo nahezu unzertrennlich sind. SaMo ist das MPS-Zugpferd, welches (meines Erachtens) die meisten Fans anzieht, ergo wird Gisi auf SaMo nicht verzichten, ebensowenig wie auf andere Lieblinge wie Das Niveau etc. Auf Facebook hat Gisi ja auch schon geschrieben, daß Omnia 2013 auf JEDEM MPS dabei sein wird, bei einigen sogar an 2 Tagen! Ebenso hat er ja geschrieben, daß die bekannten und beliebten Bands auch 2013 alle sehr häufig gebucht werden. Da sehe ich also keinen Qualitätsverlust.
    Die neuen und kleinen Bands sollen, soweit ich das verstanden habe, teilweise nicht Bühnengebunden eingesetzt werden, sondern an den Tavernen, so wie es in diesem Jahr zum Beispiel das Duo Firlefanz in Dortmund praktiziert hat. Fand ich persönlich übrigens wirklich sehr gut!

    Deine Vorschläge fand ich teilweise auch sehr gut…:

    – Marketingkonzept: Da gebe ich dir Recht. ich bin auch eher durch Zufall auf das MPS gestossen… eben, weil es dieses Jahr in Weeze erstmalig stattfand. Davor hatte ich vom MPS noch nie etwas gehört, obwohl aktuelle und auch frühere VAs wie Wassenberg, Borken und Wesel wirklich nicht weit weg sind.
    Ausserdem würd ich vorschlagen, die Werbeplakate, die an den Strassen hängen, umzugestalten. Weg vom Trödelmarkt-neongelb, hin zu einem individuellem outfit. Das MPS hat so ein geniales Drachenlogo, wieso wird das nicht benutzt?

    – Familienangebote: Finde ich auch gut. vor allem mehr Kinderanimation in Kombination mit dem neuem Familienticket würde den Sonntag für Familien wesentlich interessanter machen.

    – Top Band: Naja OK… ist immer die Frage, was ist eine Top Band? Laut Gisis Aussagen sind In Extremo, Schanmaul und Subway to Sally für ein MPS niemals zu bekommen… wer bleibt also über? Und würden wirklich für die eine Band mehr Leute kommen, wenn das Wetter so mies ist wie z.B. in Weeze oder Bückeburg…?

    – Publikumslieblinge: Wie schon gesagt, die Publikumslieblinge werden auch 2013 sehr häufig gebucht. ich denke nicht, daß Gisi nicht erkennt, daß eben diese Bands einen großen teil des Publikumsinteresses ausmachen.

    -Campsitekosten: Definitiv dafür. Auch wenn viele Leute jammern, aber warum sollte man für die Leute gratis alles bereitstellen, nachher Reperaturkosten an die Bauern zahlen, und dann nichtmal ne Campinggebühr erheben?

    Highlight: Und jetzt wirds interessant. Definitiv ein guter Vorschlag, ABER… man muss bedenken, 2013 wird es vorraussichtlich 23 MPS-Termine geben. Das würde bedeuten, 23 verschiedene Highlights!! Die kann man mal nicht so eben aus dem Hut schütteln, und jeder, der die Facebook-Meute kennt, wird die Reaktion vorhersehen können… dann wird gejammert „Wieso gibt es das in XY, aber nicht in YX?“
    Beim Feuerwerk wäre ich dabei, ich liebe Feuerwerk… und schon wieder klingelt es in meinen hren, wenn die Facebook-Meute aufjault „Was hat Feuerwerk denn mit dem Mittelalter zu tun“… naja, ungefähr so viel wie Flaschenbier, Grillfleisch und Dixi-Klos… Naja immerhin, für 2013 sind ja 2 Großfeuerwerke in Weeze geplant, ebenso ein Kutschenrennen zwischen dem Marktvogt und Gevatter Tod, das sind doch schonmal spezielle Highlights…
    Ebenso geplant ist in Wassenberg eine spezielle „Gruselmeile“, die den Besuchern nachts das Fürchten lehren soll…
    Und wenn man den VA Köln sieht, das Highlight hier wäre z.B. der Badesee, also einige unverwechselbare Punkte gibt es schon…

    Nichts desto trotz, ich bin sehr gespannt, was die Saison 2013 bringen wird, ich freue mich auf jeden Fall schon, egal was kommt. Enttäuscht kann ich dann immer noch sein *g*

    In diesem Sinne… gehabet Euch wohl!

    Euer Horatio

  • Thomas sagt:

    Vielen Dank Horatio für den ausführlichen Kommentar. Du hast in vielem Recht,, einige Vorschläge habe ich vielleicht zu radikal formuliert. Aber das mit den Highlights habe ich auch sooo nicht gemeint, vielmehr schwerpunktmässig, dann gibts eben statt 23 feuerspektakel nur 10 oder sogar nur 8. Und dann 4 feuerwerke, eine nächtliche seeschlacht in Borken und Fühlingen oder weiß ich was. ich werde – natürlich – soviele MPS Events wie möglich in 2013 wahrnehmen und bin sehr gespannt wie es wirken wird. Allerdings: ich steh nicht auf alle Bands beim MPS, Niveau hör ich nie, SaMo sehr selten,und dafür hab ich meine Lieblinge. So geht es glub ich vielen Leuten, es ist also gar keine frage ob auf x Bühnen alles angesehen werden kann sondern eher ob das was ich hören will im Angebot ist.

  • Horatio Stupidum sagt:

    Also, ich stehe natürlich auch nicht auf alle Bands, die das MPS bietet. Das Niveau mag ich überhaupt nicht, auch wenn ich jetzt gesteinigt werde oder sonstwas… *g*
    Trotzdem bietet das MPS immer noch genug Alternativen, wenn gerade wirklich keine Band spielt (wobei auf über der Hälfte der VAs 2013 mindestens 3 Bühnen sein werden), dann schau ich mir in dieser „musiklosen“ Zeit eben einen Gaukler an, oder das Ritterturnier, die Fechtkampfgruppe… oder ich nehme mir die Zeit, über den Markt zu schlendern oder mir die Heerlager anzusehen. Aber ich verstehe natürlich, was du meinst, aber ich kann mir nur schwer vorstellen, daß es mal ein MPS geben wird, an dem musikalisch wirklich nichts interessantes geboten wird. Man sollte auch abwarten, welche neuen Bands Gisi präsentieren wird, bestes Beispiel aus dieser Saison ist wohl Mr Hurley… ;o)

    OK, das mit den Highlights hast du ja inzwischen etwas relativiert… du denkst also an so etwas wie Sir Henry Hot, der ja nun wirklich ein highlight ist, aber nur an ganz bestimmten orten auftritt.

    Also, ich werde nächstes Jahr definitiv alle VAs in NRW besuchen und mich dann überraschen lassen, wie die Änderungen das Gesicht des MPS verändern… und Gisi fragt ja auch jedes Wochenende, was man verbessern kann, sollte mir da etwas auffallen, werd ich mit meiner Meinung sicher nicht hinterm Berg halten ;o)

    In diesem Sinne… gehabet Euch wohl!
    Euer Horatio

  • S. sagt:

    Ich brauche kaum Kleinkunst und Feuerwerk schonmal garnicht. Wenn der Veranstalter nun die Bands in 2013 einschränken will, muss er auf mich verzichten, ich werde keine 300 – 500 km fahren, nur um Jongleure zu sehen.
    Und Camping, ich zahle gerne was dafür. Das ist das kleinste Problem.

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