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Saltatio Mortis auf Platz 1 der Deutschen Album Charts

alea_saltatio_hohenlockstedtFreud und Leid eines Künstlers- sie liegen dicht beieinander.

Saltatio Mortis, nicht die Band die ich als meine Favoriten bezeichnen würde, aber deren Entwicklung ich durchaus mit verfolgen konnte, haben  Platz 1 der Deutschen Album Charts erreicht.

Das ist ein ganz großartiger Erfolg. Und ich persönlich glaube, dass das MPS und Gisbert Hiller als Förderer und Fan dieser Band einen guten Teil dieses Weges aktiv begleiten konnte.

Zunächst freut sich natürlich die Band über diesen tollen Erfolg. Lasterbalk schreibt dazu auf Facebook:

„Was ich jetzt schreibe sollte man wahrscheinlich nicht tun und schon gar nicht in einer Woche des Erfolges. Ich meine wann geht man schon mal auf Platz Eins in den offiziellen Media Control Charts? Richtig, wahrscheinlich nicht so oft in seinem Leben. Also sollte ich mich jetzt freuen, ich sollte herumtanzen und ich sollte feiern, am besten alle 24 Stunden die so ein Chart-Wochentag zu bieten hat. Geht aber nicht. Will ich aber nicht. Stattdessen sitze ich hier und schreibe mir Freude, aber auch Frust von der Seele, Freude und Frust, die sich schon länger angestaut haben, die aber nicht abfließen konnten. Noch nicht.“

 

 

Uuups! Moment mal! Auf einem absolut genialen Meilenstein angelangt, einem Erfolg, den man sich hart erarbeiten muss, vor allem in DIESER Szene, ein Erfolg der durch diese Platzierung nach Außen sichtbar wird, dringt Frust durch, warum dieses?

„Tatsächlich freue ich mich. Ich freue mich über viele wundervolle Mails und Kommentare. Ich freue mich über Rückmeldungen zum Album, zu meinen Texten, zu unserer Musik…. Gleichzeitig kommt Ärger und Wut in mir hoch. Ärger über die unvermeidliche Kommerzdiskussion. Offenbar gibt es ein Naturgesetz, dass vorschreibt, sobald eine Band sichtbar Erfolge vorzuweisen hat, darf man sie als echter Fan, als echter Kenner oder gar als Szene-Guru auf keinen Fall mehr gut finden. Wichtig in diesem Ritual ist auf jeden Fall die grundlose Aufwertung der frühen Werke der Band (egal wie grausig diese sind), gepaart mit einem Verriss des aktuellen Werkes (egal wie gut es ist) und, als letztem Ton in diesem Musikverkenner-Dreiklang, eine Hasstirade über die verratenen Ideale der Band, die sich nun endgültig den bösen Göttern des Kommerz verschrieben hat. Schlussakkord in Moll und alle müssen nun ganz doll weinen, weil mal wieder eine Band nicht mehr das tut was sie will, sondern nur noch das tut was ein ominöser Produzent, oder wahlweise auch die Plattenfirma, von ihnen verlangt. Aha. Nun also auch wir.“

Da liegt also der Hase im Pfeffer! Was zum Henker ist das für eine Art von Kritik? Warum ist es speziell in Deutschland und ganz speziell in dieser Szene so schwer, zu akzeptieren, das Bands aus Menschen bestehen, die, treu dem Prinzip der Bedürfnispyramide nach Maslow, auch ein Interesse daran haben, genug Kohle zu verdienen für Essen, Trinken, Kleidung und Wohnung?  Lasterbalk der Lästerliche

Und dann das Bedürfnis verspüren, nach Anerkennung auch sich selbst zu verwirklichen?

Das haben Saltatio Mortis sicher getan! Und dabei die Herzen und die Begeisterung von hunderttausenden Menschen gewonnen.

Nochmal: Sie erreichen MEIN musikalische Herz nicht immer. Aber die Arbeit, die Entwicklung und damit das erkennbar harte Eintreten ihrer Sicht der Welt, die sich – und das ist gut so ! – im Laufe der Zeit durchaus geändert hat und die Fähigkeit, das musikalisch auszudrücken, ist einzigartig. Und großartig.

Tausende Menschen honorieren das.

Ich möchte meine Mitautorin zitieren, bekennende SaMo Fan, Kennerin der Band:

„Die, die Euch jetzt Kommerz vorwerfen und sich abwenden: lasst sie reden. Eure wahren Fans werden Euch verstehen. Verstehen, warum Ihr das Album aufgenommen habt, warum Ihr diese Lieder gewählt habt. Und Eure wahren Fans haben Euch auf Platz 1 gebracht. Nicht die, die Böses Reden. Ich kenne Euch noch nicht so lange. Aber ich fand die Weiterentwicklung, die sich von Album zu Album abzeichnete, richtig gut. Ich mag es nicht, wenn eine Band stehen bleibt. Ich mag Neues. Ich will überrascht werden. Ich will, dass mich meine Lieblingsband überrascht. Ich mag nicht alle Songs, entschuldigt. Aber trotzdem komme ich weiterhin zu Euren Konzerten. Ich hoffe, immer wieder von Euch überrascht zu werden. Denn erst das hält mich bei einer Band. Was soll ich mit einer Band, wo alle CD`s gleich klingen? Ich möchte Neues entdecken, Neues hören. Und wissen: die Musiker stehen hinter ihrer Musik, lassen sich nicht drein reden und sind für ihre Fans da. Und verschwinden nach einem Konzert nicht unantastbar hinter der Bühne. Und genau das seid ihr. Also bleibt so, macht weiter so, überrascht mich. Und andere.“

 

Das ist ein Statement FÜR Weiterentwicklung. Das ist ein Kommentar FÜR eine Band – offen, ehrlich und neugierig auf die nächsten Schritte.

Vielleicht, ganz vielleicht, wird sie den Weg, den SaMO geht, irgendwann  nicht mehr mitgehen können.

Ich bin sicher, sie wird es dann mit einem respektvollen „Danke für die tolle Zeit der Inspiration“ tun.

Ich bin- das erwähne ich gerne noch einmal –  nicht das, was man als Fan der Gruppe bezeichnen würde.

Ich höre gerne das eine oder andere Set, manche Texte hauen mich um, andere finde ich genial, andere kann ich nicht in meine Geschmacksrichtung einordnen.

Was ich toll finde: SaMo sind ehrlich, authentisch, arbeiten an sich und bringen für tausende Menschen eine tolle Idee rüber.

Das ist faszinierend und findet nur selten in dieser brutalen Welt statt.

Ich wünsche der Band jeden persönlichen und auch wirtschaftlichen Erfolg – ich werde außerhalb der Saison das eine oder andere Konzert von Euch besuchen und genießen.

Mit respektvollen Grüßen- Tom und Savi

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