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Maximilian

Der Ursprung der Landsknechte

Das Mittelalter war geprägt durch Herrscher, die ihren Besitz durch familiäre Bindungen wie Heirat, politische Bündnisse mit anderen Herrschern und notfalls mit Gewalt zu erhalten oder zu erweitern wussten.

Das gewaltsame Vorgehen durch Kriege war dabei sicherlich die kostspieligste Variante und wurde jahrhundertelang durch Schlachten geprägt, die vor allem durch gepanzerte Reiter gewonnen oder verloren wurden – die Ritter.

Maximilian I

Maximilian I

Spätestens in den Burgunderkriegen, in denen es um Machtansprüche des deutsch römischen sowie um Sicherheitsbestrebungen des französischen Königs ging (Burgund hatte sich im 100 jährigen Krieg mehrfach mit den verfeindeten Engländern verbündet) wurden Ritter als entscheidende Komponente durch neue Taktiken wesentlich geschwächt und schließlich abgelöst. Die Schweizer Eidgenossen stellten “Reisläufer” auf, also Fußsoldaten, die durch eine geschlossene Form und durch kluges taktisches und disziplinierten Vorgehen mit Hilfe langer Spieße in der Lage waren, die gepanzerten Ritter in der Schlacht von den Pferden zu holen und dann in aller Ruhe abzuschlachten.

Schweizer Reisläufer

Schweizer Reisläufer

Maxililian I probierte diese Taktik mit Hilfe flämischer Söldner aus und gewann 1479 bei Guinegate eine Schlacht gegen ein konventionelles französisches Heer. Der Hintergrund dieses Schlacht waren die Besitzansprüche von Maximilian und dem französischen König – beide sahen das Herzogtum Burgund als ihr Eigentum an.

Die Söldner Armee Maximilians löste sich natürlich nach der Schlacht auf, aber der junge Erzherzog erkannte offenbar die Chance, durch ein ähnlich strukturiertes Heer, das permanent unter Waffen stand, die neuen Besitztümer zu verteidigen. Im Westen musste Maximilian immer mit den Franzosen rechnen und im Osten entwickelte das Osmanische Reich deutliche Expansionsbestrebungen. 1453 war die Perle der Christenheit, Konstantinopel, gefallen und die Türken versuchten ihren Machteinfluss , wenn auch zunächst mit wenig Erfolg, in Europa auszudehnen.

Wenn man sich dann noch vorstellt, dass ein mittelalterlicher Fürst nahezu ständig mit Rebellionen und Besitzansprüchen anderer Fürsten zu tun hatte, kann man leicht nachvollziehen, dass das Bedürfnis nach einer ständig vorhandenen, erfolgversprechenden Truppe recht groß war. Bedauerlicherweise sind Ritter ziemlich teuer, aber die Erfahrung aus den Auseinandersetzungen um Burgund ließ wohl in Maximilian den Entschluss reifen, gut trainierte Fußsoldaten einzusetzen. Als er 1486 zum deutschen König gekrönt wurde, hatte er zwei Armeen mit jeweils drei- bis viertausend Mann in seinen Diensten. Diese ließ er durch Schweizer Ausbilder zu Lanzenträgern ausbilden. Auch wenn unter Maximilian systematisch Söldnertruppen ausgebildet wurden , deren Hauptwaffe Spieße und Hellebarden waren und die eben nicht durch gepanzerte Reiter als wichtigstes taktische Element geprägt waren, ist die Erhebung zum “Schöpfer” des deutschen Landsknechtwesen zumindest problematisch. Die deutschen Landsknechte entstanden schlicht aus der Übernahme und Verfeinerung des taktischen und disziplinierten Vorgehens nach dem Vorbild der eidgenössischen Reisläufer – und weil diese Truppe so erfolgreich war, wurde sie auch  bedenkenlos für politische  Zwecke angeworben und eingesetzt. Aber dazu mehr in späteren Artikeln …