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Wikingertage

Die Wikingertage in Schleswig – das war wohl nix

Dieses Ambiente hält der Veranstalter für angemessen Karlsruhe ist ein wenig weit weg von Bremen und so dachte ich mir für dieses Wochenende: Fahr auf einen anderen Markt und schau mal über den Tellerrand. Also auf nach Schleswig, da wollte ich schon immer mal hin. Die Wikingertage waren angekündigt. Als alter Landsknecht liegen zwischen meiner Darstellung und den Nordmännern doch ein paar Jahrhunderte – aber fasziniert haben mich die Kriegerkollegen schon immer. Wäre ich gewandet gekommen, hätte ich meine Waffen anmelden müssen. Das geht in Ordnung finde ich, wäre aber auf einem MPS mit mehreren tausend gewandeten Besuchern am Tag nicht realisierbar. Demzufolge liefen hauptsächlich – bis auf die Darsteller – ungewandete Leute auf dem Platz herum. Was ich dann aber für 8 Euro Eintrittsgeld geboten bekommen habe war gelinde gesagt eine Frechheit. Ich bin als MPS Fan wahrlich kein Reenactor und lege nicht übermäßig Wert auf absolute detaillierte “Historical Correctness”. Aber normale Bierwagen auf einem historischen Markt – und davon gleich so drei, vier Stück, eine moderne Kuchentheke mit Kaffee, die Bedienung in Jeans, einen Schmied der im T-Shirt den Kindern das Schmieden zeigt – was zum Teufel hat das mit einem WikingerfestEine mittelalterliche Kissenschlacht? zu tun?  Dann den städtischen Spielplatz, der wohl außerhalb der Wikingertage kostenlos aufzusuchen ist, mit ins Programm zu nehmen – naja, aus unternehmerischer Sicht kein schlechter Trick. Aber dort auch noch eine “Kissenschlacht” für Kinder? Tolle historische Darstellung!

Cool fand ich die Idee auf echten Wikingerschiffen mitfahren zu können. Die waren recht klein und es waren zwei angekündigt. Toll war das mit dem Dieselmotor (oder gehörte das, obwohl „historisch“  gebaut, nicht zur Veranstaltung?) , Erik der Rote hatte wohl auch einen, wahrscheinlich mit Rußpartikelfilter. Adam Diesel war ja bekanntlich ein Nordmann … oder irre ich mich da?

Das Wikingerdorf war ein normales Heerlager, durchsetzt mit Verkaufsständen, immerhin kam hier zumindest ein “historisches” Feeling auf. Einige interessante Lederarbeiten waren da zu Im Dorf gab es einige interessante Arbeite zu sehensehen, Bogenmacher, Schmuckhersteller, Töpfer, was man halt sonst auch so sieht. Ganz nett gemacht. Der Veranstalter hatte auch jedem Besucher ein Faltblatt mit Programm mitgegeben, wir haben uns den Gaukler angeguckt, der seine Sache sehr gut gemacht hat. Witzig das Publikum mit eingebunden, einen Assistenten aus dem Publikum geholt und jede Menge Witze auf seine  Kosten gemacht, mit Fackeln und 5 Bällen jongliert, alles sehr sicher und sehr witzig rübergebracht. Trotzdem war ich ein wenig genervt und als meine Frau sagte, sie wolle sich noch ein bisschen in Schleswig umsehen, haben wir den Markt verlassen, Live Musik stand ja nicht auf dem Programm. Stimmt, wurde aber trotzdem gespielt wie ich nachher hörte als ich mir am Hafen ein Fischbrötchen schmecken ließ. Schade eigentlich, ich hätt`s mir gerne aus der Nähe angehört. Alles in allem war die Veranstaltung für mich rausgeschmissenes Geld und eher ein Volksfest oder Touristenattraktion mit ein bisschen Wikingerambiente. Und das Programm war absolut fade, Gaukler sehe ich auf dem MPS im Halbstundentakt, Musikgruppen auch und es ist alles zwar nicht historisch korrekt aber stimmig. Und für ein Nackensteak im Brötchen muss ich auch keine 4.50 hinblättern. Mein Fazit: Nächstes Jahr nicht wieder!

Hier findet ihr das Fotoalbum